Faszination Raubkatzen Raubkatzeninfos
Große und kleine Katzen in Ost-Bolivien
Autoren: Klaus Braunert, Frank Huber

Die südamerikanischen Katzen haben ebenso wie die Menschen, jedoch bereits viel früher, nach Überquerung der Beringstraße den Doppelkontinent besiedelt, sich dabei hervorragend an die verschiedensten Lebensräume angepaßt und sich dabei auch genetisch verändert und weiterentwickelt. Vor der europäischen Eroberung hatten sie sich in alle Klima- und Vegetationszonen verbreitet und waren dort bis vor kurzem in stabilen Populationen vertreten. Obwohl in Bolivien das tropische Tiefland und die Yungas noch immer Heimat für Jaguar (Panthera onca), Puma (Puma concolor), Ozelot (Leopardus pardalis), Zwergtigerkatze (Leopardus tigrinus) und Jaguarundi (Herpailurus yaguaroundi) ist und ihnen dort noch verhältnismäßig große Lebensräume zur Verfügung stehen, ist ihre Existenz, wie die aller wildlebenden Katzen, auch dort nicht gesichert und von Verfolgung und lokaler Ausrottung gekennzeichnet. Der Staat hat zwar gute Artenschutzgesetze erlassen, aber was nutzt das, wenn sie nicht überwacht werden können und wenn sich niemand daran hält.

Das Erste, was man vom Vorhandensein der wildlebenden Katzenarten in den Siedlungen und Städten des ostbolivianischen Tieflandes von ihnen zu Gesicht bekommt, sind ihre von Kugeln durchlöcherten Felle, die in den Häusern an die Wände genagelt sind. Ein trauriger Anblick, der leider nicht nur Zeugnis einer schon überwundenen Vergangenheit ist, wie die Geschäfte für Jagdausrüstungen, das Angebot für sogenannte Sportjäger, sowie die vielen Flinten zeigen, die die Männer dort überall mit sich herumtragen. Überall in der Nähe von Siedlungen oder Estanzias oder dort, wohin Menschen ohne größere Probleme gelangen können, schwärmen von Zeit zu Zeit die bewaffneten Männer zur Jagd aus. Auch wenn sie sonst lieber ihre Zeit in der Hängematte verbringen, zeigen sie ein großes Geschick, Energie und Ausdauer, wenn es darum geht, noch den letzten Tapir oder die letzte Primatenhorde aufzuspüren und abzuschießen. Es kann dabei kaum nur um das Fleisch gehen, denn die aufgewendete Mühe steht in keinem Verhältnis zu der erbeuteten Nahrungsmenge. Nein, das Töten von Wildtieren, ist dort immer noch ein Beweis von Männlichkeit. Und natürlich bleiben die großen und kleinen Katzen nicht davon verschont. Wenn ein Jaguar mal ein paar Rinder aus einer riesigen Herde gerissen hat, werden professionelle Jäger angeheuert, die das Tier zur Strecke bringen. Auch wenn ich nur frische Tatzenspuren, bisher aber noch keinen Jaguar in Freiheit gesehen habe und viel für dieses Erlebnis gäbe, haben die Jäger Methoden, ihn relativ mühelos anzulocken und ihn dann per Zielfernrohr abzuschießen. Wenn ich bisher von Sichtungen dieser Tiere erzählt bekam, dann fast immer mit dem Zusatz, wie lange es dann noch gedauert hat, bis man sie erlegt hatte. Zusätzlich kommt noch der Wirtschaftsfaktor hinzu. In den achtziger Jahren wurden die Katzen in Bolivien beinahe ausgerottet, weil europäische Händler jährlich hunderttausende ihrer Fälle illegal, aber wohl geduldet, importierten. So kommt es, daß die erste Begegnung mit dem Menschen so gut wie immer auch zu ihrer letzten wurde, woran sich leider auch heute noch nicht viel geändert hat.

Deprimierend wirken auch immer wieder Erlebnisse, die zeigen, daß dort, wie fast überall auf der Welt, den Tieren kein eigenes Existenzrecht in Freiheit zugestanden wird, sondern sie ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Nutzens, der Jagd oder bestenfalls als lebendes Spielzeug gesehen werden und unter meistens erbärmlichen Bedingungen gefangengehalten wird. So verfolgt mich noch immer der unbeschreibliche Blick einer jungen Zwergtigerkatze, die in einem Käfig und noch zusätzlich an einer Kette gehalten wurde und die der Halter nicht gegen Geld und gute Worte herausgeben wollte. Ganz junge Jaguare, Pumas usw., deren Mütter getötet wurden und die so in die Hände von Menschen fielen, werden trotz offiziellem Verbot noch immer ab und zu auf Märkten angeboten.

Nachdem somit das Ausmaß des Schreckens skizziert wurde, unter dem die Wildkatzen auch in dieser Weltgegend zu leiden haben und gegen das wir mit unserem Verein SIMBIOSIS-Mensch und Natur e.V. in Bolivien Akzente für eine Besserung der Lage setzen wollen, nun noch einige Hinweise darauf, daß es wilde Katzen in Freiheit noch gibt.

Was ich immer wieder auf Streifzügen in der Natur gesehen habe, waren Spuren von Pfoten oder Tatzen aller dort vorkommenden Arten. Sie sind also da. Und wie mir ein einheimischer Führer und ausnahmsweise engagierter Naturfreund, mitteilte, haben sie uns mit Sicherheit beobachtet, auch wenn wir sie nicht sahen. Was ich außerhalb der Gefangenschaft gesehen habe, war ein „Tigrillo“ (Zwergtigerkatze) und mehre Jaguarundis. Das mag wenig sein, aber erstens waren meine Erkundungen wegen der damit verbundener Schwierigkeiten bisher noch nicht auf die gezielte Beobachtung von Wildkatzen gerichtet. Dazu ist viel Zeit und Erfahrung nötig. Aber ich hoffe, daß sich das noch ergeben wird. Außerdem muß man wissen, daß, anders als zum Beispiel in den Schutzgebieten Afrikas, in Südamerika wesentlich seltener wildlebende Säugetiere zu sehen sind. Das Nahrungsangebot für die Tiere ist nicht so konzentriert, weniger Tiere benötigen größere Lebensräume und oft leben sie in dichter Vegetation versteckt. Jäger finden sie leider trotzdem, z.B. indem sie das dumpfe Brüllen des Jaguars täuschend echt imitieren und ihn so heranlocken, weil die allein lebenden Tiere meinen, daß ein Nachbar ihnen das Revier streitig machen möchte.

Resümierend kann man wohl behaupten, daß alle in Südamerika vorkommenden Katzenarten als Populationen noch gute Überlebenschancen haben, wenn ihre Habitate nicht vollends zerstört werden und es gelingt, das Bewußtsein der Leute so zu ändern, daß sie stolz darauf sind, so edle und schöne Lebewesen in ihrer Nähe zu wissen, statt ihnen nachzustellen. Auf dieses das Thema komme ich jedenfalls unweigerlich jedes Mal, wenn ich mit irgend Jemandem dort spreche.

Übrigens eine große Katze, die man dort eher nicht vermutet, die aber doch recht häufig anzutreffen ist, sind Löwen, die von einer Reihe von kleinen Wanderzirkussen in so kleinen Käfigen herumgeschleppt werden, daß sie sich gerade mal auf die Füße stellen und umdrehen können. Auch in diesem Falle suche ich noch Leute, die mit Ideen und Taten helfen wollen, um diese Quälerei zu beenden.


19. April 2002
Klaus Braunert



"Schlüsselwort ist Bolivien und zwar der tropische "Oriente". Ich bin gerade von dort zurück und obwohl ich keine Aufnahmen von freilebenden Katzen machen konnte, schicke ich das gerade vor einem Monat aufgenommene Foto von Riesenottern im Rio Paraguá. Dieser Schnappschuß hat mich für alle bisherigen Strapazen und Rückschläge entlohnt. Solange es noch solche Szenen auf der Welt gibt, müssen wir weiter kämpfen! Und obwohl diese Tiere keine Katzen sind, können wir sie doch als ihre Verwandten sehen."
Riesenotter
© 2001-2017 big-cats.de - Das Kopieren von Texten ist nur mit persönlicher Erlaubnis gestattet.

Startseite

Raubkatzenarten
Steckbriefe
Taxonomie
Anatomie
Galerie
Verschiedenes
Gepardenpresse
Bücher / Videos
Links / Webring
Persönliches
Sitemap
Impressum

letzte Änderungen
Startseite  Verschiedenes  Große und kleine Katzen in Ost-Bolivien